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Inputs und Outputs, fixe und variable Faktoren
3.2.2 Das klassische Ertragsgesetz
Durchschnitts- und Grenzprodukt
D

as klassische Ertragsgesetz ist eine Produktionsfunktion ( klassisches Ertragsgesetz) Es kann herangezogen werden, um Produktionsprozesse zu beschreiben, bei denen ein Produktionsfaktor variiert wird, während alle anderen konstant gehalten werden. Dann spricht man von partieller Faktorvariation. Es eignet sich aber auch zur Beschreibung der Produktion, bei der alle Faktoren variiert werden (wobei natürlich eine "gleichmäßige" Variation der einzelnen Faktoren erfolgt, so dass das Einsatzverhältnis der Faktoren untereinander konstant bleibt). In diesem Fall spricht man von totaler Faktorvariation ( Ertragskurve bei totaler Faktorvariation).

Zur Erläuterung des klassischen Ertragsgesetzes dient folgendes (hypothetisches) Beispiel: Abbildung 1 zeigt Ergebnisse eines kontrollierten Experiments einer landwirtschaftlichen Forschungsanstalt. Simuliert wurde auf 7 Feldern die partielle Faktorvariation eines Saatgutes, d.h. Feldgröße, Düngereinsatz etc. wurde konstant gehalten. Dabei wurden auf dem ersten Feld 2 Einheiten Saatgut ausgebracht; die Ausbringungsmenge auf den weiteren sechs Feldern wurde schrittweise bis auf 8 Einheiten ausgedehnt. Wiedergegeben ist der gemessene durchschnittliche Ertrag pro Einheit Saatgut. Es lässt sich ablesen, dass der Durchschnittsertrag mit je 41 Einheiten auf den Feldern 3 und 4 am größten war.

Abbildung 1
Durchschnittlicher Ertrag bei partieller Faktorvariation in einem landwirtschaftlichen Produktionsprozess (hypothetisches Beispiel).
Abbildung 2
Durchschnittlicher Ertrag bei partieller Faktorvariation in der Automobilproduktion. Vorausgesetzt die anderen Faktoren stehen in ausreichendem Maß zur Verfügung, beträgt der durchschnittliche Ertrag ein Auto je Karosserie.

Das Beispiel zeigt, dass es so etwas wie eine "optimale" Saatmenge für die Felder gibt - jedenfalls dann, wenn man optimal im Sinne von maximaler Ertrag je ausgebrachter Einheit begreifen möchte.

Für viele andere (vor allem industrielle) Produktionsprozesse wäre ein solches Ergebnis kaum denkbar. Abbildung 2 zeigt ein entsprechendes Diagramm für die Automobilproduktion.

In Abbildung 1 liegen die Beobachtungen auf einer Funktion die sich durch die Gleichung

$$ \text{DE} = \cfrac{x}{s} = -s^2 + 9s +21 \tag{1}$$

beschreiben lässt. Dabei steht DE für Durchschnittsertrag, $x$ für die Ertragsmenge und $s$ für die Saatgutmenge (Die Funktion wird in Abbildung 1 gezeigt, wenn Sie das Diagramm anklicken). Den Gesamtertrag erhält man offensichtlich, wenn man den Durchschnittsertrag mit dem Faktoreinsatz multipliziert.

$$ x = -s^3 + 9s^2 +21s \tag{2}$$
Abbildung 3
Klassisches Ertragsgesetz: Der Wendepunkt W heißt Schwelle des Ertragsgesetzes. Der Punkt des maximalen Ertrages M ist ökonomisch bis auf den Umstand, dass offensichtlich eine Produktion rechts davon vollkommen unsinnig wäre, wenig interessant.

Dies ist die Ertragskurve für Gut X bei partieller Faktorvariation des Saatgutes S. Sie hat die Gestalt des Klassischen Ertragsgesetzes, das in Abbildung 3 schematisch dargestellt ist.

Für Abbildung 3 ist eine schematische Darstellung gewählt, um die Besonderheiten des klassischen Ertragsgesetzes hervortreten zu lassen. In einer maßstabsgetreuen Wiedergabe von Gleichung (2) würde man den Wendepunkt W bei $s = 3$ und das Maximum M bei $s = 7$ finden, allerdings hinterließe die Darstellung nicht so sehr den Eindruck, dass die Kurve dem Verlauf eines zur Seite geneigten S folgt. Auch wenn es vielleicht selbstverständlich sein mag, sei erwähnt, dass die Kurve im Koordinatenursprung beginnt - ein positiver Ordinatenabschnitt würde anzeigen, dass Produktion bei nicht vorhandenem Faktoreinsatz stattfindet. Das kann bei partieller Faktorvariation möglich sein, bei totaler Faktorvariation ist es ausgeschlossen.